München vs Wien

München vs. Wien : ein kleiner Vergleich

Vor kurzem habe ich die Stadt Wien besucht, weil meine Cousine aus Australien zu Besuch war und die Stadt Wien die letzte Station ihrer Europa-Tour war. Natürlich war ich so nett, ihr die Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzuzeigen. Hin und wieder kam aber die Frage auf, welche Stadt denn eigentlich lebenswerter ist und welche überhaupt die schönere Stadt ist. Das zu beantworten ist gewiss nicht einfach. Denn es gibt Leute, die eher auf dem Land leben wollen. Andere brauchen mehr Action in einer große Stadt und andere können sich die hohen Lebenshaltungskosten schlichtweg einfach nicht leisten und geben sich mit bescheideneren Wünschen schon zufrieden! Doch trotzdem möchte ich mal einige Unterschiede aufzeigen, die Wien von München unterscheiden. Viele Punkte sind vielleicht nicht überraschend, doch in einigen Punkten bin ich mir sicher, dass ich auf Widerstand stoße!

Wofür die Städte bekannt sind

Statue an der Mariensäule

Abgesehen von den Sehenswürdigkeiten, die man sonst auf Postkarten sieht, hat jede Stadt einen besonderen Kultstatus und ihr unverkennbares Merkmal, das von keiner anderen Stadt der Welt einfach kopiert werden kann. Wofür ist München nun bekannt? Wirtschaftliche Stabilität, eine multikulturelle Gesellschaft mit vielen Regionen und beliebte Reisestadt – das ist München! Das Oktoberfest, die weltberühmte Fußballmannschaft des FC Bayern, die beliebten Biergärten, aber auch die Niederlassung vieler Großkonzerne und internationaler Unternehmen machen geben dieser Stadt ihr Gesicht. Für mich ist München die Bierstadt schlechthin! Rund 6 Millionen Maß Bier trinken die Gäste allein zur Wiesnzeit und mich würde es nicht wundern, wenn einige Großstädte die Menge übers ganze Jahr nicht schaffen.

hofburg

Wien wird eher mit klassischer Musik, dem Opernball, und prachtvollen Opernveranstaltungen in Verbindung gepracht. Wer die Stadt einmal besucht hat, wird von der architektonischen Kunst der berühmten Gebäude, Statuen, Kirchen usw. absolut fasziniert sein. Die Stadt Wien und ihre Geschichte ist verbunden mit großen Persönlichkeiten wie Johann Strauß, Niki Lauda, Siegmund Freud, Falco , Wolfgang Amadeus Mozart sowie Ludwig Van Beethoven! Wien ist Kulturstadt, weist viele sogenannte Schanigarten auf und hat den Zug in die Moderne aufgenommen. Gerade die Mischung aus Jung und Alt macht den Charme dieser Stadt aus.

Die Mieten in München und Wien

Über die Mieten in München muss ich wohl keine großen Worte verlieren außer, dass sie fast flächendeckend zu hoch ausgefallen ist. So zahlen Studenten für ein kleines Zimmer 400 Euro, während Single Wohnungen schon für 600 Euro aufwärts zu ergattern sind. Zwei-Zimmer Wohnungen sind selten unter 1000 Euro zu haben! 5000 Euro Miete sind gar nicht mal so unwahrscheinlich, wenn eine Luxuswohnung in Betracht gezogen wird. Und Wien? Die Durchschnittsmieten liegen geringer als in München ( zwischen 8,90 und 11,90 pro Quadratmeter laut dem Artikel unter http://diepresse.com/home/meingeld/immobilien/4713465/Mieten-in-Wien-steigen-langsamer-als-in-deutschen-Grossstaedten ). Münchner würden die Mieten in Wien als geringer einschätzen, wenn man die Wohnungsangebote abklappert und sogar für Mietwohnung von rund 100qm Mietpreise von unter 1000 Euro vorfindet.

Die typischen Spezialitäten der jeweiligen Küche

Typisch bayrische Spezialitäten sind Schweinsbraten, Schweinshaxn, Knödel, Kraut, Weißwurst mit Brezel oder Obazda – das sind die Leckereien, an die man beim Gedanken an die bayrische Küche denkt. Aber auch die regionalen Suppengerichte wie Leberknödelsuppen oder Bratwürstel werden gern angeboten. Das ist jetzt nur eine kleine Auswahl der umfangreichen Küche Bayerns, die über Jahrzehnte im Rezept geradezu unverändert blieben. Zu den beliebtesten Biersorten in München gehört das Bier aus dem Augustiner Bräu. Aber in Bayern und im Rest von Deutschland ist Oettinger Brauerei ganz weit vorne.

Wiener Schnitzel, Tafelspitz, Sachertorte, Apfelstrudel sind nur einige Erwähnungen der österreichischen Bundeshauptstadt. Eine kleine Verwirrung gibt’s bei Wiener Würstchen. Diese heißen in Wien Frankfurter und das liegt daran, dass der Erfinder der Wiener, Johann von Georg Lahner, sie im 18. Jahrhundert als Frankfurter unters Volk brachte. Es gab zu dieser Zeit schon Frankfurter Würstchen und der Namensschutz galt zu dieser Zeit außerhalb der Grenzen Deutschlands nicht, weshalb diese Abwandlung als Frankfurter bezeichnet werden, wo sie hier aber als Wiener bezeichnet werden! Beim Bier hat die Marke Stiegl die Nase vorn. Vielleicht für die Besucher von Kaffeehäusern interessant. Man bestellt nicht einfach nur Kaffee, sondern bestellt z.B. einen großen bzw. kleinen Braunen (Espresso mit Milch)

Weltoffen oder distanziert : die Freundlichkeit der Menschen

Kommen wir zu einem Thema, das eher schwer zu beschreiben ist. Doch ich versuche hier mein Glück, auch wenn ich dabei auf den einen oder anderen Widerstand stoße. Wie freundlich sind die Menschen überhaupt? Da die Menschen von Person zu Person unterschiedlich sind, kann man nicht ein Verhaltensmuster für alle Menschen einer Stadt zuschreiben. Man kann jedoch bestimmten Klischees entgegenwirken. Einige Freunde im Ausland haben behauptet, dass sie die Menschen in Deutschland als kalt und unsympathisch finden. Doch ist es der erste Eindruck, der sich ins Gedächtnis verfestigt oder trügt der Schein? Als Fast-Münchner, der seit mehr als 2 Jahrzehnten die Menschen kennengelernt hat, kann ich nur sagen: das Klischee vom kalten und unfreundlichen Deutschen ist gar nicht haltbar. Es gibt einen gewissen Grad an Distanziertheit, der bei nicht wenigen Menschen von uns dazu führt, dass wir nicht jedem wildfremden Menschen um den Arm fallen! Aber Freundlichkeit und Offenheit der Menschen kann man auch nicht erwarten, wenn man ein Schild hochhebt wo „bitte lächeln“ drauf steht. Von klein auf werden die Kids in der Regel dazu erzogen, selbstständig zu denken, zu handeln und ihre Entscheidungen zu reflektieren. Andere Kulturen sind im stärkeren Maß durch feste Vorschriften und Erwartungshaltungen der Eltern und der Fokus wird verstärkt auf das Gemeinschaftsleben gesetzt.

Wenn man das Verhalten der Münchner beschreiben würde, dann ist die Freundlichkeit der Menschen angemessen und von offenem, angenehmen Umgangston geprägt. Introvertiertheit und Schüchternheit sind allerdings auch kein Hindernis für ein Zusammenleben in der Gesellschaft! Und Menschen sind hier aus Überzeugung zu einem freundlich oder auch nicht. Ein Verstellen der Gefühle wäre auf beiden Seiten nicht förderlich.

Statue an der Hofburg

Und in Wien? Die Menschen werden dort von den Touristen als besonders freundliche Menschen angesehen. Und dieses Urteil kann ich nur als Tourist bestätigen, wenn man in Cafes, Kneipen oder Restaurants vor Ort reingeht und mit den Angestellten sich dort mal ordentlich unterhält! Ich kann das nur aus eigener Erfahrungen sagen, aber die Bereitschaft sich mit Fremden zu unterhalten ist besonders gut ausgeprägt und der Akzent allein macht neugierig auf weitere Wörter die aus dem Mund kommen.

Welche Stadt ist nun lebenswerter?

Die Frage stelle ich hier als offene Frage in den Raum! Doch eins steht fest. In beiden Städten gibt es herausragende Sehenswürdigkeiten und tolle Dinge und Menschen zu entdecken. Die Freundschaft mit den Menschen vor Ort müsste kein Problem sein!

 

6 Kommentare

  1. Immer schwer, zwei so unterschiedliche Städte und vor allem die darin lebenden Menschen zu vergleichen: lebenswert ist für die Münchner ihr München, für die Wiener ihr Wien – und ein Besuch ist in beiden Städten immer wieder empfehlenswert. Vor allem, wenn man etwas mehr Zeit hat, um die eher unbekannten Ecken zu entdecken 😉 liebe Grüße von Doris

     
  2. Also, Schweinsbraten, Schweinshaxn und Knödel gibts in Wien auch sicher genauso verbreitet wie in Münschen, diese Speisen zählen ebenso zum kulinarisch Österreichischem Inventar. Die komischen Würschtel dürfen sich die Bayern gern behalten, die wurden durch Käsekrainer ersetzt. Bezüglich Bier: Hier gilt in Wien nur: Ottakringer, Stiegl wird hier zwar gerne genommen, ist aber nicht regional. Als weitere Lektüre empfehle ich: https://de.wikipedia.org/wiki/Export_(Bier)#Wiener_Export
    somit wüsst’ ma des ah 😉
    Außerdem eine Institution, das Schweizer Haus:
    http://www.schweizerhaus.at/
    Tschechisches Bier und Schweinsstelze (-Haxn)

     
  3. Zum Thema historische Gebäude und Sehenswürdigkeiten muss man erwähnen, dass die Münchner Altstadt nach dem Bombenhagel im 2. Weltkrieg zu 90% zerstört war. Die Stadt Wien hingegen kam mit nur “geringen” Schäden davon. Generell haben die Deutschen Hauptstädte im Großen und Ganzen ein komplett neues Gesicht, das aus überwiegend einfachen Nachkriegsbauten und modernen, schlichten Bauten besteht. Dieser Krieg richtete Deutschland sehr übel zu. Man kann fast sagen, dass ein gewaltiges Stück “Kultur/Identität” aus Deutschland herausgerissen wurde.

     
  4. Wien… ganz klar!
    Ich habe sechs Jahre in Wien gelebt und nun lebe ich seit zwei Jahren in München.
    Wien führt für mich in vielen Punkten:

    1. Mieten – da braucht man nicht mehr viel sagen 😉

    2. das Öffi-Netz ist in Wien um Längen besser. Die Zahlen sprechen für sich. Weit weniger Störungen, weit engere Taktung (2min Takt bis 4min Takt tagsüber. Nacht-U-Bahnen im 15min Takt.), dichteres Netz an Straßenbahnen, weit mehr Öffi-Nutzer, die ihr Auto dementsprechend stehen lassen oder sehr häufig gar keines haben. Enorme Zuverlässigkeit und gute Abstimmung der Linien aufeinander. Der Preis für die Jahreskarte (FÜR DIE GANZE STADT! Nicht nur für einen Teil) liegt bei 365€, während ich in München für einen Teil der Stadt über 600€ zahle. Dazu kommen in Wien andere Schmankerl wie die Tatsache, dass die ÖBB Vorteilscard (die weniger als die Hälfte der Deutschen Bahncard kostet) im Verbund gilt und Tickets einfach “ab Stadtgrenze” gekauft werden können – für extrem günstige Preise. Das ganze Verbundsystem ist auch viel einfacher aufgebaut.

    3. Das öffentliche Bib-Wesen ist ebenfalls in Wien ganz anders bezuschusst. Ok, das fällt mir auf, weil ich vom Fach bin. Aber die Niederschwelligkeit, die ich für eine Grundvoraussetzung der ÖBs halte (Idee: Jeder Mensch, unabhängig von sozialem Stand oder körperlicher Leistungsfähigkeit sollte den selben unbeschränkten Zugang zu Information haben), ist in Wien eine ganz andere. Ein Buch kann ich mir zur nächsten Bib-Filiale liefern lassen, ohne dafür zahlen zu müssen. Ich kann das Buch bei jeder Bib-Filiale wieder abgeben. In München bin ich gebunden, wo ich das Buch abgebe. Und für eine Lieferung zur nächstgelegenen Filiale muss ich 1,25€ zahlen. Genauso wie wenn ich ein Buch bestelle, das nicht im Freihandbereich steht. Das kostet 1,25€. Find ich eigentlich ziemlich unmöglich. Für Menschen in sozialen Schwierigkeiten – die durch ÖBs gerade auch bedient werden sollen! – ist das viel Geld.

    4. das Wetter. Wien hat kontinentales Wetter. Im Sommer ist es heiß und trocken. Gut, Geschmackssache, aber in München regnet es mir im Sommer eindeutig zu viel. Das Wetter ist unbeständig, ständig schwül und macht mir – und nicht nur mir – Migräne. Die Winter sind in München m.M.n. aber besser wettertechnisch 😉

    5. Die Leute. Auch das ist Geschmackssache natürlich, aber es ist meine Erfahrung: Wien ist eine Art Mischung aus München und Berlin. Man hat die gutbürgerlich-gesetzten Typen mit gutem Job und man hat die Alternativen, die Künstlertypen, die Sucher, die Abenteurer, die fast schon klassische Bohème 😉 In München hat man erstere: Leute, die einen guten Job gefunden haben und dafür nach München ziehen. Gutbürgerlich, eher besser verdienend, gesetzt, konservativ.
    Mir fehlt die Durchmischung. Mir ists hier doch zu spießig… und ich komme irgendwie an die Leute auch nicht richtig ran. Das ist mir in Wien viel leichter gefallen.

    Was meiner Meinung nach ein Vorteil von München ist gegenüber Wien:
    München ist VIEL (und ich meine VIEL VIEL VIEL) sauberer als Wien – also weniger die Luft 😉 Immerhin ist München die Autohauptstadt – sondern die Straßen und Gehwege. Da bin ich immer verblüfft, wie viel sauberer es doch hier in München ist.

    Aber grundsätzlich führt für mich Wien ganz eindeutig!

     

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