Bargeldlos & digital unterwegs: Wie smart ist München wirklich schon?

Der Branchenverband Bitkom bringt einmal jährlich seinen Smart City Index heraus und hier kann sich München an die Spitze setzen. Die bayerische Landeshauptstadt ist im Bereich der Digitalisierung absolutes Zugpferd, Hamburg und Köln folgen dicht darauf. Andere Städte sind auf dem Vormarsch, aber München macht vor, wie es gehen kann.

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©geralt -pixabay.com

Digitalisierung ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch eine Frage der Bereitschaft einer Bevölkerung. Verglichen mit den Top-Städten Europas ist gerade im Bereich des bargeldlosen Zahlens noch Luft nach oben. Die Deutschen und damit auch die Münchner sind nach wie vor Liebhaber des Bargelds, digitales Bezahlen wird nur langsam angenommen.

Wie smart ist München also wirklich? Wie viel Wert hat der Platz im Ranking, verglichen mit internationalen Vorreitern? Was fördert die Entwicklung zur Digitalisierung und was bremst?

Internet als Treiber des bargeldlosen Bezahlens

Einer der Motoren des bargeldlosen Bezahlens und der Digitalisierung ist das Internet. In München wird online geshoppt, aber auch Dienstleistungen bezahlt. Hierfür braucht es digitale und bargeldlose Zahlungsarten, die eine sofortige Transaktion ermöglichen.

Am dominantesten sind Zahlungsanbieter wie PayPal oder auch die eigene Kreditkarte. Die iGaming-Szene zeigt aber noch eine andere Methode, denn hier gewinnen Online Casinos mit Paysafecard an Bedeutung. Die Paysafecard ist das Bindeglied zwischen Bargeld und digitalem Zahlen. Möchtest du eine solche Karte nutzen, kaufst du sie online oder offline (an Tankstellen oder auch im Supermarkt) und erhältst als Gegenwert einen 16-stelligen Code. Diesen nutzt du online, um deine Einzahlungen im Casino oder auch Rechnungen bei Online-Shops mit Paysafecard zu bezahlen.

Die Paysafekarte ist zwar nicht so verbreitet wie Paypal, aber gerade für Bargeldliebhaber eine gute Option. Sie erfordert kein gesondertes Konto und auch die Weitergabe von persönlichen Daten ist nicht nötig.

Wer sich im Netz ans digitale Bezahlen gewöhnt hat, baut auch im Alltag Berührungsängste ab. Dir ist bestimmt schon aufgefallen, dass es in München zunehmend Möglichkeiten gibt, nicht nur mit Münzen und Scheinen, sondern auch mit Karte, Smartwatch, Apple-Pay und Co. zu bezahlen.

Oktoberfest 2025 soll ein Gamechanger für die Digitalisierung beim Bezahlen werden

München und das Oktoberfest gehören zusammen wie der zusammengeknäulte 20er und die Maaß Bier. Das wird sich 2025 zunehmend verändern. Mittlerweile ist es an mehr als 160 Ständen und Fahrgeschäften möglich, digital zu bezahlen, ab 2025 auch mit Apple- und Google-Pay.

Wiesn 2019

Einen Schritt weiter geht die Wirtin der „Münchner Stubn“, einem bekannten Festzelt der Wiesn. Sie nimmt seit 2025 überhaupt kein Bargeld mehr an. Wer etwas trinkt, zahlt mit Karte oder Smartphone. Damit folgt die Wirtin einem Trend, der sich seit einigen Jahren bemerkbar macht. Immer weniger Wiesnbesucher zahlen bar, womöglich auch aus Angst, nach der fünften Maaß das Bündel mit den Geldscheinen zu verlieren oder Opfer von Diebstahl zu werden.

Die Bedienungen des Münchner Festzeltes haben alle ein mobiles Kartenlesegerät und können darüber auch Trinkgelder empfangen. Der Gast sagt einfach die von ihm gewünschte Summe und die Bedienung kassiert.

Auf die Frage vor einem Technikausfall hat die Wirtin eine klare Antwort. In der Münchner Stubn ist das Ausweichen auf Bargeld auch dann nicht möglich. Sorgen scheint ihr das nicht zu machen. Ein klares Zeichen, dass in München der moderne und digitale Zeitgeist angekommen ist.

Münchener Alltag bietet viele bargeldlose Möglichkeiten

Verglichen mit den Angeboten in anderen Städten macht es München seinen Einwohnern leicht. Stellst du dein Auto ab, kannst du dir per App deinen Parkschein kaufen. Du musst nicht mehr zum Parkscheinautomaten laufen und Kleingeld parat haben, sondern löst das Ticket bequem auf dem Handy. Die App findest du kostenlos für iOS und Android. Beim Shopping ist die Kartenoption quasi Standard und auch in der Gastro ist das Angebot groß.

Marienplatz München

Selbst an den Universitäten Münchens wird das bargeldlose Bezahlen gefördert. Die Mensen arbeiten jedoch mit einer eigenen Lösung, der sogenannten Legic-Card. Ausgegeben wird die Karte an vielen Spots des Studierendenwerks Bayerns und Münchens, der Kaufpreis beträgt 12 Euro. Nachteil an diesem System ist, dass die Aufladung via Lastschrift oder Überweisung erfolgen muss. Die Bezahlung per App oder klassischer Kreditkarte wäre hier einfacher.

Wie smart ist München im internationalen Vergleich?

In Deutschland ist München Spitzenreiter, in Europa aber nur eine von vielen Städten auf einem guten Weg. Die Spitzenreiter unter den smartesten Städten sind Zürich, Kopenhagen und Amsterdam. Auch Barcelona, Paris, London und Madrid punkten, sie gelten vor allem als intelligenteste Städte.

Je nach Quelle gibt es sogar mit Darmstadt einen starken Konkurrenten für München, zumindest hat man es sich zum Ziel gemacht, Digitalisierungsvorbild für Deutschland zu werden.

Im Zahlungswesen setzt das die Bereitschaft der Bevölkerung zur Veränderung voraus und die fehlt stellenweise immer noch.

Erhebungen der Deutschen Bundesbank haben ergeben, dass im Jahr 2023 immer noch 51 Prozent der Umsätze mit Bargeld erzielt werden. Zum Vergleich: 2021 lag die Zahl noch bei 58 Prozent. Favorit der bargeldlosen Bezahlmethoden ist die Debitkarte. Sie konnte sich gemessen am Umsatz einen Anteil von 32 Prozent erarbeiten, gemessen an der Anzahl der Bezahlvorgänge kam sie auf 27 Prozent.

Die Bundesbank führte auch Umfragen durch, um das veränderte Zahlungsverhalten der Bevölkerung zu analysieren. Es kam heraus, dass sich 44 Prozent bei freier Zahlungswahl für eine unbare Methode entscheiden würden. 28 Prozent würden bei Barzahlung bleiben, weiteren 28 Prozent war es egal.

Möglichkeiten schaffen Bereitschaft in der Bevölkerung

Einer der größten Vorteile digitaler Bezahlmethoden ist die Einfachheit. Karte (oder Smartphone) vorhalten und schon wird der Betrag abgebucht. Obwohl es innerhalb der Bevölkerung oft noch Sicherheitsbedenken gibt, steigt die Akzeptanz mit den Möglichkeiten.

„Cash only“ könnte in Zukunft sogar in der ganzen Stadt der Vergangenheit angehören. SPD und CDU wollen bargeldloses Zahlen als Option zur Pflicht machen. Damit wären sämtliche Händler auch in München gezwungen, ihre Systeme entsprechend umzurüsten. Barzahlung kann und wird auch dann noch möglich bleiben, eine digitale Option ist aber Pflicht.

Mit dem Vorhandensein steigt auch unter den Münchenern die Bereitschaft, es auszuprobieren. Wer immer nur die Erfahrung macht, dass Kartenzahlung nur ab Betrag X möglich ist oder nicht angeboten wird, gibt irgendwann auf.

Lässt sich die Brezel auf dem Markt künftig digital bezahlen, könnten es auch ältere Menschen und jene probieren, die dem Prinzip bisher kritisch gegenüber standen. Einen Startzeitpunkt für die Pflicht zur Kartenoption gibt es noch nicht, in München ist man aber gerüstet.